In einer immer heller werdenden Welt holt das Planetarium Mannheim den Sternenhimmel zurück in die Stadt. Mit spannenden Einblicken in irdische Polarnächte und ferne Galaxien, in die Vergangenheit und Zukunft unseres Universums. Der wissenschaftliche Leiter Dr. Mathias Jäger erstellt mit seinem Team und viel Begeisterung für die Astronomie auch eigene Programme – für die Wissenschaftler:innen schonmal ihren Supercomputer anwerfen.

Der Raum füllt sich mit Farben. Violett, Blau und Pink wabern über die Kuppel und umgeben die Zuschauer:innen. Dazwischen funkeln strahlend weiße Punkte, erst wenige, dann immer mehr, überall. Sie pulsieren, blitzen, schießen gasförmige Strahlen in den Farbennebel. Eine Explosion, so farbenprächtig, dass sie wie ein reines Fantasieprodukt wirkt. Doch dahinter steckt jede Menge Wissenschaft. Denn sie zeigt die Geburt von Sternen in einer Molekularwolke. 9 Millionen Jahre in wenigen Minuten, simuliert von Wissenschaftler:innen in den Vereinigten Staaten. 

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Auf Weltraumreise: Ein 360°-Einblick in das Galaxis-Programm. Durch Bewegen der Maus oder des Smartphones, kann der Bildausschnitt verschoben werden. Film: Planetarium Mannheim

Dass sie heute die Kuppel im Mannheimer Planetarium zum Leuchten bringt, ist auch Dr. Mathias Jäger zu verdanken. Der technische und wissenschaftliche Leiter des Planetariums sah die Simulation auf einer Webseite der NASA. „Ich war völlig fasziniert – so detailliert hat bisher noch niemand die Geburt von Sternen gezeigt.“ Er war zu der Zeit gerade dabei, mit seinem Team ein neues Programm zu erstellen: „Galaxis. Reise durch die Milchstraße“, seine erste Eigenproduktion für das Planetarium Mannheim. Sie waren sich sofort einig: „Die Simulation brauchen wir für unser Programm.“

Noch immer fasziniert: Mathias Jäger im Farbrausch der Sternengeburt.

Also setzte sich Jäger ans Telefon und rief bei den Wissenschaftler:innen an. Und die erklärten sich bereit, die Simulation so aufzubereiten, dass das Team in Mannheim sie für ihre Produktion verwenden kann. „Dafür hat die Forschungsgruppe extra ihren Supercomputer angeworfen, einen den größten der Welt“, sagt Jäger mit einem breiten Grinsen im Gesicht. In Mannheim entstand aus der Simulation dann ein Fulldome-Film, der jeden Millimeter der halbkugelförmigen Kuppel ausfüllt. „Wir haben mit den Wissenschaftlern vereinbart, dass wir den Film ein halbes Jahr exklusiv nutzen dürfen, ihn dann aber freigeben, damit alle Planetarien weltweit die Sequenz nutzen können.“

Seit 2022 läuft „Galaxis. Reise durch die Milchstraße“ nun in Mannheim. Als eines von mehreren astronomischen Programmen des Planetariums. Daneben gibt es wissenschaftliche Vorträge, Shows mit der Musik von Queen oder Pink Floyd, raumfüllende Hörspiele mit den drei Fragezeichen – und Kinderprogramme, in denen auch mal die Olchis das Universum erklären. „2023 war für uns ein extrem erfolgreiches Jahr“, erzählt Jäger. 145.000 Besucher:innen kamen in das Planetarium. Viel mehr als in den Corona-Jahren zuvor, klar – aber auch deutlich mehr als vor der Pandemie.

Wir vermitteln im Planetarium den neusten Wissensstand über unser Universum

Dr. Mathias Jäger

„Vor allem die Kindershows sind oft ausverkauft“, sagt Jäger. Das freut ihn besonders. Gerade erst hat er eine Grundschulklasse verabschiedet und deshalb noch seinen kunterbunten Astronomie-Hoodie an. „In diesem Alter sind Kinder so begeisterungsfähig – das macht einfach großen Spaß. Und sie stellen großartige Fragen: Wo endet das Universum, wie lange wird es die Erde noch geben oder auch: Woher wissen wir das alles?“ Solche Fragen freuen ihn immer besonders. „Dann mache ich immer klar, dass wir im Planetarium zwar den neusten Wissensstand über unser Universum vermitteln – aber es auch sein kann, dass es in einigen Jahren ganz neue wissenschaftliche Erkenntnisse gibt.“

Der Himmel auf Erden: Einer der ersten Planetariumsprojektoren der Welt leuchtete in Mannheim. Foto: MARCHIVUM, Bildsammlung KF012861-002

1923 holte die Firma Zeiss zum ersten Mal den Himmel auf die Erde. Die Öffentlichkeit feierte den Planetariumsprojektor damals als „Wunder von Jena“. Nur vier Jahre später konnten auch die Mannheimer:innen dieses Wunder bestaunen: im ersten kommunalen Planetarium weltweit. Bereits in der Barockzeit spielten die Sterne in Mannheim eine große Rolle. 1772 ließ Kurfürst Carl in Fußnähe zum Schloss eine Sternwarte errichten, die dank der bahnbrechenden Arbeiten des Hofastronomen Christian Mayer im 18. Jahrhundert weltweit bekannt war (Hier geht es zu unserer Geschichte über die Sternwarte in Heppenheim) . Eine der wichtigsten Attraktionen der Stadt, die auch Wolfgang Amadeus Mozart oder Thomas Jefferson, der spätere Präsident der USA, auf ihren Reisen besuchten. Auch das Planetarium zog zahlreiche Besucher:innen an. Über 500 Sitzplätze hatte das Gebäude im Unteren Luisenpark damals – mehr als sein Nachfolger heute.

Das erste kommunale Planetarium weltweit war eine große Attraktion in Mannheim. Foto: MARCHIVUM, Bildsammlung, GP00008-038

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Planetarium jedoch schwer beschädigt und 1953 abgerissen. „In der Nachkriegszeit hatte die Stadt dann erstmal besseres zu tun“, erzählt Jäger. „Aber es gab schon früh Bestrebungen, ein neues zu bauen.“ Eine Bürgerinitiative um den Physiker Heinz Haber setzte sich damals besonders für einen Neubau ein – der schließlich im Dezember 1984 eröffnet wurde. Direktor des Planetariums ist seit 2010 Dr. Christian Theis, der die Modernisierung der Technik stetig vorangetrieben hat. Seit 2015 verfügt das Planetarium über die 360°-Projektionstechnik für Fulldome-Filme – die die Besucher:innen fast komplett umgibt und ihnen das Gefühl gibt, direkt in die Tiefen des Weltraums einzutauchen.

Zurücklehnen und die Reise in das Universum genießen.

Um dieses einzigartige Gefühl zu erzeugen, ist jede Menge Technik notwendig. Zwei Räume im Planetarium sind nur für Rechner reserviert. Ein Raum beherbergt die Rechner für den Sternenprojektor und die neun Beamer der Fulldome-Anlage, der andere die des Produktionsteams. Mathias Jäger führt durch den runden Gang, der hinter dem Kuppelsaal des Planetariums zu den Büroräumen führt. „Hier ist das Magie-Büro“, kündigt er mit großer Geste an. In dem kleinen Raum sitzen der Multimedia-Produzent Thomas Niemann und seine Kollegin Gaby Langer, die bereits seit 1985 am Planetarium arbeitet. „Unser Urgestein“, sagt Jäger und lacht. Beide sitzen vor Computern mit mehreren Bildschirmen – hier entstehen die Shows des Planetariums, die Magie.

Eine Ausstattung, auf die jeder Gamer neidisch wäre: Thomas Niemann bei der Arbeit.

Ein Monitor zeigt ein verzerrtes, kreisrundes Bild von Eisbergen. Ein Bild aus der neuen Kindershow „Polaris“ – angepasst an die Rundungen der Kuppel. „Mit der Zeit bekommt man einen Blick für die Verzerrungen“, erklärt Niemann. Und wenn dieser Blick nicht weiterhilft, kommt die Virtual-Reality-Brille zum Einsatz, die den Film in drei Dimensionen zeigt – ähnlich wie in der Kuppel. Wie ein Gamer, der sich in virtuellen Spielwelten bewegt, sitzt Niemann dann in seinem Büro. Selbst ein eigenes Tonstudio hat das Planetarium. „Gerade bei Eigenproduktionen ist es toll, wenn die Sprecher direkt hier vor Ort den Film einsprechen“, erklärt Jäger. Für das Galaxis-Programm hat er auch eigens einen Komponisten beauftragt. „Die Musik spielt eine enorm wichtige Rolle – gerade, um den Zuschauern zwischen all den wissenschaftlichen Informationen auch mal eine Pause zu gönnen, in der sie einfach nur die beeindruckenden Bilder und die Musik genießen können.“

Blick für kreisrunde Verzerrungen: Niemann arbeitet am neuen Kinderprogramm „Polaris“ des Planetariums.

Seit 2021 ist Jäger am Planetarium Mannheim. Ursprünglich kommt er aus Österreich und hat in Wien Astrophysik studiert. Für seine Promotion kam er dann zum ersten Mal in die Region – zunächst an das Max-Planck-Institut für Astronomie, danach an das Haus der Astronomie in Heidelberg. „Die Arbeit dort war super spannend, aber ich merkte auch, dass die Wissenschaft nicht unbedingt mein Ding ist.“ Der Astronomie wollte er jedoch auf keinen Fall den Rücken kehren und wechselte deshalb in die Wissenschaftskommunikation. Zunächst an der Europäischen Südsternwarte in München, dann war er vier Jahre Pressesprecher des Hubble-Weltraumteleskops für die Europäische Weltraumorganisation ESA. Aus dieser Zeit stammen auch seine guten Kontakte zu Wissenschaftlern auf der ganzen Welt.  

Mathias Jäger liebt es, seine Begeisterung für die Astronomie weiterzugeben.

„Das war eine tolle Zeit – Hubble zeigt ja seit über 30 Jahren wie wundervoll bunt und aufregend unser Universum ist.“ Doch die Abläufe rund um das Weltraumteleskop sind sehr festgelegt. „Ich wollte gerne kreativer arbeiten, mehr Freiraum haben“, erzählt Jäger. Als die Stelle als wissenschaftlicher Leiter am Mannheimer Planetarium ausgeschrieben war, rief er direkt den Leiter Christian Theis an, mit dem er schon früher zusammengearbeitet hat. Wenig später hatte er den Job. Und macht hier das, was er am liebsten tut: Mit seiner Begeisterung für die Astronomie möglichst viele Besucher:innen anstecken.


www.planetarium-mannheim.de

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