Also fuhr die Familie Wipfler in die Schweiz, um Beat Consoni kennenzulernen. Eine für beide Seiten inspirierende Begegnung mit kreativen Folgen. Beeindruckt vom Mut der Bauherren, sagte der vielbeschäftigte und mit internationalen Preisen dekorierte Architekt zu und begann umgehend mit der Planung. „Schon die ersten Treffen waren extrem spannend“, erinnert sich Bernhard Wipfler. „Er hat uns eine Menge unterschiedlichster Entwürfe präsentiert, bis uns klar wurde: es mussten zwei vierstöckige Kuben werden. Vorderhaus und Hinterhaus, miteinander verbunden durch einen offen gestalteten Hinterhof.“
Dass dabei Sichtbeton das markante Gestaltungselement sein würde, stand außer Frage. „Uns gefiel die Idee, zwischen die historisierenden Sandsteinfassaden einen Sichtbetonbau zu stellen, der einen Aufbruch in die Zukunft darstellt“, sagt Sebastian Wipfler und sein Vater Bernhard ergänzt: „Unser Bau ist auch ein Bekenntnis zum Standort im multikulturell geprägten Filsbachviertel. Wir sind davon überzeugt, dass sich die Zukunft unserer Städte in urbanen Quartieren wie diesem entscheiden wird.“
„Der Hugo Häring-Architektur-Preis ist eine ganz besondere Auszeichnung für uns.“
Sebastian Wipfler
Sehr positiv hat nun der baden-württembergische Landesverband des Bundes Deutscher Architekten den Neubau bewertet. Er erhielt den begehrten, nur alle drei Jahre verliehenen Hugo Häring-Preis – den wichtigsten Architekturpreis des Landes. „Wir hatten damit gerechnet, bei der Entscheidung beachtet zu werden“, sagt Sebastian Wipfler. „Aber von fast tausend nominierten Projekten unter den besten acht zu sein, ist schon eine ganz besondere Auszeichnung für uns.“
Urbaner Loft-Style: Dachgeschosswohnung im Hinterhaus.
„Die klare, auf das Wesentliche reduzierte Architektur, die konsequente Verwendung des Betons und die elegant eingeschobenen Fensterflächen, die hohen, lichtdurchfluteten Räume und der asketisch anmutende Innenhof – diese Merkmale zeichnen den Komplex aus“, urteilt auch der Mannheimer Architekturexperte Dr. Andreas Schenk. „Neues begegnet Altem und tritt mit diesem in spannungsvolle Wechselbeziehung. Trotz aller Unterschiedlichkeit zum historischen Bestand wirkt das neue Haus nicht als Fremdkörper.
„Das Haus ist weit davon entfernt, sich anzubiedern, es ruht selbstverständlich und selbstbewusst in sich. Es verleiht dem Viertel einen neuen Akzent und ist doch zu seinem Bestandteil geworden.“
Dr. Andreas Schenk
Unabhängig von den begeisterten Urteilen der Fachleute wurde der Bau von den Nachbarn teilweise auch anders wahrgenommen. „Wir hörten öfter die Frage, wann das Haus gestrichen wird oder ob uns das Geld für den Verputz ausgegangen ist“, erinnert sich Bernhard Wipfler.
Inzwischen ist das Verlagshaus nicht der einzige Bau im näheren Umfeld mit klarer Formensprache und Beton-Ästhetik. In direkter Verlängerung des Quadrats G7 wurde am Ende der Jungbuschstraße gerade der Neubau des Kreativwirtschaftszentrums C-HUB eröffnet – entworfen vom Stuttgarter Büro Hartwig Schneider. „Ich halte das für eine sehr positive und spannende Entwicklung“, sagt Bernhard Wipfler. „Das C-HUB ist ein weiterer Baustein für die Stadtgestaltung – und vieles daran erinnert mich auch an unseren eigenen Bau.“
Individuelle Refugien: Wohnungen im Hinterhaus mit Künstlerstudio im Erdgeschoss.
In G7,14, so die genaue Adresse im Quadrat G7, bietet das Haus heute nicht nur Platz für 40 kreative Köpfe, sondern dient auch als Galerie für hauseigene Künstler wie den Fotografen Horst Hamann. Im Hinterhaus wurden Wohnungen realisiert, die zu inspirierenden Residenzen für Mieter geworden sind, die den kreativen Flair des Quartiers mit Galerien, Restaurants, Bars und individuellen Shops zu schätzen wissen. Und Beat Consoni? „Wir sind inzwischen eng mit ihm befreundet und sehen uns regelmäßig“, freut sich Sebastian Wipfler, „und wir sehen ihn ja auch schon bald wieder – bei der Verleihung des Hugo Häring-Preises im Oktober.“
Edition Panorama
G7, 14
68159 Mannheim
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