… das Zeitalter des Mineraldüngers einläuteten?

Es ist nur ein kleines Molekül, seine Bedeutung für die Menschheit allerdings immens. Die Rede ist von NH3 sprich Ammoniak. Vor über 100 Jahren wurde in Ludwigshafen eine bahnbrechende Methode zur industriellen Synthese dieser Grundchemikalie erfunden. Die genialen Köpfe dahinter: Fritz Haber und Carl Bosch.

Der Stoff, auf den es bei Ammoniak ankommt, heißt Stickstoff. In der Luft ist das Gas nahezu unbegrenzt vorhanden. Doch nur die wenigsten Pflanzen können das „Element des Lebens“ in dieser reaktionsträgen Form nutzen. Sie sind auf stickstoffhaltige Lösungen angewiesen, die sie über ihre Wurzeln als „Nahrung“ aufnehmen.

Ammoniak-Reaktor BASA Casinowiese

Ohne Kenntnis dieser chemischen Zusammenhänge nutzte die Menschheit über Jahrtausende hinweg organische Düngemittel, um die Fruchtbarkeit der Böden zu erhöhen. Als jedoch am Übergang zum 19. Jahrhundert die Weltbevölkerung rasant anfing zu wachsen, hielten die landwirtschaftlichen Erträge nicht mehr Schritt. Die Suche nach Alternativen zu Gülle & Co. begann. Einen Meilenstein auf diesem Weg markierte das Jahr 1840: Justus von Liebig wies als Erster die wachstumsfördernde Wirkung des Stickstoffs nach. Doch es fehlte ihm eine Methode, um den Stickstoff aus der Luft zu „binden“.

Diese Entdeckung machte zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Chemiker Fritz Haber. 1908 meldete er sein „Verfahren zur synthetischen Darstellung von Ammoniak aus den Elementen“ zum Patent an. Anfangs waren die Erträge noch gering. Doch Fritz Haber und Carl Bosch entwickelten die Ammoniaksynthese im Auftrag der BASF weiter. 1910 bauten sie den ersten Versuchsreaktor. Drei Jahre später startete in Oppau die Ammoniak-Produktion im industriellen Maßstab. Ein einträgliches Monopol, das der BASF satte Gewinne einbrachte – und Fritz Haber (1918) und Carl Bosch (1931) den Chemie-Nobelpreis bescherte.

Heute gilt das Haber-Bosch-Verfahren als eine der größten Errungenschaften der Chemie. Seit über 100 Jahren ist es Standard-Methode zur Massenproduktion von Kunstdüngern – ohne deren Einsatz die Hälfte der Weltbevölkerung nicht überleben könnte. Allerdings lässt sich aus reaktivem Stickstoff auch kriegstauglicher Sprengstoff herstellen. Und damit liegt es – wie so oft in der Geschichte – in der Verantwortung der Menschheit, eine geniale Erfindung im Sinne ihrer Entdecker zu nutzen.