… zahlreiche Handelsriesen ihren Anfang nahmen?

Was wäre Deutschland ohne seine Heimwerker? Hämmern, bohren, sägen und gärtnern sind längst zum Volkssport geworden, was Zahlen eindrucksvoll untermauern: 18,8 Milliarden Euro setzte der Baumarkthandel im Jahr 2018 um, macht 227 Euro pro Bundesbürger. Die Anfangskapitel dieser sagenhaften Do-it-yourself-Erfolgsgeschichte wurden in der Rhein-Neckar-Region geschrieben.

In diesem Gebäudekomplex (Mannheim, U 3, 21-22) wurde 1960 der erste Baumarkt (Bauhaus) in Deutschland eröffnet.

Vordenker der DIY-Bewegung waren Heinz Georg Baus aus Mannheim (1934-2016) und Otmar Hornbach (1930-2014) aus dem südpfälzischen Bornheim. Inspiriert von den Entwicklungen in den Vereinigten Staaten übertrugen die beiden Unternehmer das „Cash-and-Carry“-Prinzip auf den Handel mit Schrauben, Fliesen, Bohrmaschinen & Co. 1960 eröffnete Baus im Mannheimer Innenstadt-Quadrat U3 auf 600 Quadratmetern den ersten Heimwerkermarkt der noch jungen Republik. Die Geburtsstunde der Bauhaus-Kette. Bereits fünf Jahre später folgte die zweite Innenstadt-Filiale im Souterrain eines Heidelberger Parkhauses.

Einen etwas anderen Weg schlug Otmar Hornbach ein. Seine Vorfahren hatten den familieneigenen Handwerksbetrieb in Landau bereits um einen Baustoffhandel erweitert. Dieser Tradition verpflichtet, eröffnete er im Jahr 1968 im Ortsteil Bornheim – visionär auf der „Grünen Wiese“ – den ersten Hornbach-Bausupermarkt. Auf über 4.000 Quadratmetern gab es nicht nur alles für den Heimwerker, sondern auch Elektro-Großgeräte, Einbauküchen, eine Reifen-Montagestation und sogar ein Gartencenter.

Der Rest ist Geschichte: Beide Unternehmen erlebten in den vergangenen Jahrzehnten einen regelrechten Boom. Das Unternehmen Bauhaus, das heute von der Schweiz aus gesteuert wird, ist mit über 270 Filialen in Europa und einem Jahresumsatz von über 6 Milliarden Euro die Nummer zwei im deutschen Markt. Hornbach, nach wie vor in der Südpfalz zu Hause, rangiert mit über 155 Bau- und Gartenmärkten in neun europäischen Ländern und einem Jahresumsatz von zuletzt über 4 Milliarden Euro auf Platz drei.

Die beiden Baumarkt-Riesen sind allerdings nicht die einzigen Handelsgiganten, die von der Rhein-Neckar-Region aus ihren Expansionskurs starteten. 1973 eröffnete der Lebensmittel-Discounter „Lidl“ im Ludwigshafener Stadtteil Mundenheim die erste seiner heute weltweit über 10.000 Filialen (Jahresumsatz: 75 Milliarden Euro). Auf der anderen Rheinseite in Mannheim eröffnete „Alnatura“ am 1. Oktober 1987 den ersten Bio-Supermarkt Deutschlands. Heute betreibt das Unternehmen über 130 eigene Filialen und vertreibt seine Produkte darüber hinaus in über 12.000 Partner-Geschäften (Jahresumsatz 2018: 822 Millionen Euro). Und auch der Erfolg der Drogeriemarkt-Kette „dm“ (europaweit über 3.500 Märkte, Jahresumsatz: 8,1 Milliarden Euro) ist eng mit der Region verbunden: dm-Gründer Götz Werner, Schwager des Alnatura-Gründers Götz Rehn, erblickte 1944 in Heidelberg das Licht der Welt. Dort im elterlichen Betrieb fand er seine Berufung und baute einen der größten Drogeriekonzerne in Europa mit über 62.000 Beschäftigten auf.