… ein Hollywood-Star aus Ludwigshafen war?

Ob er reich wurde, weiß heute niemand mehr – dennoch: Das Leben des William Dieterle ist das, was der Amerikaner gemeinhin mit der Redewendung „from rags to riches“ (vom Tellerwäscher zum Millionär) bezeichnet.

Am 15. Juli 1893 wurde Dieterle in Ludwigshafen als Sohn eines Fabrikarbeiters in ärmliche Verhältnisse geboren. Nach der Volksschule begann er im zarten Alter von 13 Jahren eine Tischler- und Glaserlehre. Doch seine Leidenschaft galt dem Theater. Deshalb nahm er in Mannheim Schauspielunterricht. Bereits 1911 engagierte ihn das Westfälischen Städtebundtheater in Arnsberg als Statist, Sänger und Tänzer. Es folgten Anstellungen in Deutschland und der Schweiz, etwa in Zürich, wo Dieterle bei der Ur-Aufführung von Stefan Zweigs Drama „Jeremias“ mitwirkte. Der Durchbruch zum anerkannten Charaktermimen gelang ihm Anfang der 1920er-Jahre an Max Reinhardts Deutschen Theater in Berlin.

Arbeitspause bei Aufnahme des Films: Das Wachsfigurenkabinett. Ganz links Wilhelm Dieterle

Doch es sollte nicht bei der Bühne bleiben. Der Film zog Dieterle zunehmend in seinen Bann – sowohl vor als auch hinter der Kamera. 1923 debütierte er mit „Der Mensch am Wege“ als Regisseur. In einer Nebenrolle spielte die damals noch unbekannte Marlene Dietrich. 1927 gründete Dieterle in Berlin mit seiner Ehefrau eine eigene Produktionsfirma. In kommerziell erfolgreichen Filmen wie „Ritter der Nacht“ fungierte er fortan in Personalunion als Regisseur, Hauptdarsteller und Produzent.

1930 siedelte Dieterle nach Kalifornien über, wo er als Regisseur bei First National Pictures anheuerte, eine Tochterfirma der renommierten Hollywoodstudios Warner Bros.; dort erhielt er 1933 einen 7-Jahres-Vertrag und machte sich als Meister des biografischen Films in der ganzen Welt einen Namen. „Das Leben des Émile Zola“ zum Beispiel wurde 1938 mit drei Oscars ausgezeichnet, darunter als Bester Film. Nach fast 30 Jahren kehrte Dieterle der „Traumfabrik“ den Rücken und zog zurück nach Deutschland, wo er sich seiner alten Liebe Theater widmete, u.a. als Intendant der „Bad Hersfelder Festspiele“ oder als Chef des Tournee-Theater „Der grüne Wagen“. Mit zunehmendem Alter mied der jedoch die Öffentlichkeit. Am 9. Dezember 1972 starb er schließlich fast vergessen in Ottobrunn bei München.

In Hollywood erinnert noch heute ein Stern auf dem „Walk of Fame“ an den berühmten Filmemacher aus der Pfalz. Ihm zu Ehren verleiht die Stadt Ludwigshafen seit 1993 den William-Dieterle-Filmpreis.