in Heppenheim die größte Eiskremfabrik Europas betreibt?

„Eis geht immer“, das wissen alle Eltern und die Statistik bestätigt, dass gerade die Deutschen zu den größten Süßmäulern gehören: Rund acht Liter Speiseeis lassen sie sich durchschnittlich pro Jahr auf der Zunge zergehen und liegen damit in Europa nur hinter den Skandinaviern. Während der Genuss in der Eisdiele zumeist auf die Sommermonate begrenzt bleibt, hat das „Eis am Stiel“ ganzjährig Konjunktur. Etwa eine Milliarde industriell gefertigter Einzelportionen (sogenanntes „Impulseis“) verputzen die Bundesbürger jährlich. Einen nicht unerheblichen Teil dieses Bedarfs deckt der niederländisch-britische Konsumgüterkonzern Unilever, der nach eigenen Angaben größte Speiseeishersteller der Welt. Das Herzstück seiner europäischen Produktion befindet sich inmitten der Rhein-Neckar-Region und zwar im südhessischen Heppenheim an der Bergstraße.

Schon seit 1960 werden in der Heimatstadt von Sebastian Vettel die süßen Sünden der (ursprünglich deutschen) Marke „Langnese“ hergestellt. Langnese wurde 1962 mit Iglo zur Langnese-Iglo GmbH innerhalb des Unilever-Konzerns vereinigt. Seither investierte das Unternehmen mehr als 100 Millionen Euro in Erhalt und Erweiterung des Standorts. Heute ist die „Sourcing Unit Heppenheim“ das größte von zehn Unilever-Eiskremwerken in Europa und zählt zu den größten der Welt. Auf einer Fläche von 100.000 Quadratmetern produziert Unilever dort rund um die Uhr. 150 Millionen Liter Eiskrem verteilt auf 1,5 Milliarden Portionen kommen so pro Jahr zusammen. Der größte Anteil entfällt auf die verschiedenen Varianten des 1989 eingeführten Bestsellers „Magnum“ – in Spitzenzeiten laufen bis zu 450 Magnum pro Minute vom Band –, der Rest verteilt sich auf mehr als 40 andere Sorten, darunter Klassiker wie Capri, Calippo, Dolomiti oder auch Dessert-Eis wie Cremissimo und Vienetta.

Um die Nachfrage am Markt zu bedienen, werden allein für Magnum jährlich 3 Millionen Kilogramm Schokolade benötigt sowie täglich die Milch von 6.000 Kühen. Für das fruchtige Capri braucht es dagegen jährlich 300.000 Liter Orangensaft. Das Werkslager fasst dementsprechend 4.500 Paletten. Bei minus 27 Grad ruhen die Produkte dort mehrere Tage, bis sie die richtige Konsistenz für den Verkauf haben. Bis zu 50 Lkw verlassen das Werk täglich, um die kalten Naschereien zu den Kühltruhen der Supermärkte, Schwimmbäder oder Kinos zu bringen. 70 Prozent der Produktion gehen nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz, 30 Prozent werden von Heppenheim aus in 19 verschiedene Länder exportiert.

Mit „Langnese-Eis“ ist Unilever in Deutschland Marktführer (Marktanteil: 30 Prozent). Auch wenn das Unilever-Eis in verschiedenen Ländern unter verschiedenen Markennamen an Mann, Frau und Kind gebracht wird, so ist das traditionelle Logo mit dem roten Herz weltweit einheitlich – von Albanien über China bis Zypern. Zum Firmen-Imperium gehört darüber hinaus z.B. auch die aus den USA stammende Premium-Marke „Ben & Jerry’s“, die für den europäischen Markt in den Niederlanden produziert wird.

Im Unilever-Werk Heppenheim arbeiten 625 Menschen, damit ist es der größte Arbeitgeber der 25.000-Einwohner zählenden Kreisstadt. Deutschlandweit beschäftigt der Konzern mehr als 6.000 seiner insgesamt rd. 175.000 Mitarbeiter. Der Gesamtumsatz lag 2014 bei 48 Milliarden Euro.

Leider bietet das Unternehmen in Heppenheim keine Werksführungen an, doch Endverbraucher werden mit einem Fabrikverkauf entschädigt. Wer also nicht genug kriegen kann von seiner Lieblings-Sorte, fährt mit seiner Kühlbox direkt in die Langnesestraße 1 nach Heppenheim…

PS: In der Rhein-Neckar-Region produziert Unilever übrigens nicht nur Eis, sondern auch Seife: Vom Mannheimer Werk (150 Mitarbeiter) aus gehen jährlich knapp 2 Millionen „Dove“-Waschstücke in den Verkauf rund um die Welt.


www.langnese-fabrikverkauf.de