Roland KernGerhard Steinmeier, Broady Nourish

Der Wunderwald

In Weinheim bleiben Spaziergänger schnuppernd an Bäumen stehen. Kein Wunder, denn manche Exemplare im Weinheimer Exotenwald duften schon mal nach Kaugummi oder Süßigkeiten. Doch der größte Exotenwald Europas fasziniert Laien und Forstwissenschaftler auch mit anderen Wundern: mit 60 Meter hohen Mammutbäumen, chilenischen Andentannen, japanischen Magnolienbäumen und kalifornischen Flusszedern.

Der Begründer des Exotenwaldes, Christian Friedrich Gustav von Berckheim (1817 – 1889), war zuletzt Staatsminister und Großhofmeister am Hof in Karlsruhe. Der „Exoten“- Anbau war in dieser Zeit an Höfen und in Parks Mode. Mit dem Exotenwald wollte von Berckheim ursprünglich seinen Schlosspark erweitern. Daher plante und baute er in den ersten Jahren ein Wegenetz, das für Kutschfahrten geeignet war – Walker, Jogger und Radfahrer freuen sich heute darüber. Von etwa 150 Baum- und Straucharten der Gründerzeit sind rund 50 übrig geblieben. Sie bilden die Grundlage des heutigen Exotenwaldes mit 170 Arten.

Die Mammutbäume bilden den beeindruckendsten Bestand des Exotenwaldes. Die höchsten Bäume – zwischenzeitlich über 145 Jahre alt – haben fast 60 Meter Höhe erreicht. Durch ihre rot leuchtende, weiche und dicke Rinde sind diese Baumriesen unverwechselbar. Auch eine große Libanonzeder, die älteste Deutschlands, ist bis heute im Schlosspark erhalten geblieben.

Der Wandel zum Erholungswald spiegelt sich heute in einem höheren Anteil optisch interessanter, blühender oder markant herbstfärbender Baumarten wider. Hierzu gehören der Zuckerahorn, die Scharlacheiche ebenso wie die Lilienmagnolie und der Kalifornische Blüten-Hartriegel. Vor bald 10 Jahren wurde dieses Spektrum durch markant blühende Kirschenarten wie die Tokio-Kirsche, die Kanzan-Kirsche und die Sargent-Kirsche erweitert.

Exotenwaldbesucher können sich durch das Waldgebiet führen lassen: An den Waldeingängen sind Hinweistafeln, auf denen man sich den von der Länge und Zeitdauer geeigneten von drei im Wald markierten Rundwegen aussuchen kann.

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Foto: Broady Nurish

Geführte Spaziergänge können zum Preis von 40,- € pauschal für Gruppen bis
10 Personen (jede weitere Person 4,- € ) durchgeführt werden.
Buchbar über Stadt- und Tourismusmarketing Weinheim e.V., Tel. 06201 874450.

Öffentliche Führungen finden von Mitte April bis Ende Oktober jeden Samstag um 16 Uhr ab der Minigolfanlage im Schlosshof statt. Ab 3 Personen; 4,- € pro Person.

Forstfachliche Führungen für Interessengruppen bietet das Forstamt ab einem Preis von 75,- €, Tel. 06223 – 86 65 36 76 00, an. Treffpunkt Eingang Exotenwald, oberer Parkplatz am Bodelschwingh-Heim.


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