Andreas StanitaJulian Beekmann

Die jungen Südpfälzer

Fünfzig Kellermeister unter 35, acht renommierte Weinkenner und ein großes Blind-Tasting: Das ist Die Junge Südpfalz. 2017 wurde der Winzerpreis bereits zum siebten Mal verliehen. Was für Außenstehende nach ausgelassenem Weinfest klingt, ist für die jungen Teilnehmer die Krönung des ganzjährigen Knochenjobs. Unter der Sonne der Südpfalz ist eine Generation ambitionierter Winzer herangereift, die frischen Wind in die elterlichen Traditionsbetriebe bringt.

 

Bei der Fahrt über die Weinstraße in Richtung Süden rauschen die Weinstöcke in rhythmischem Stakkato vorbei. Schnee ist in der klimatisch verwöhnten Südpfalz eine Seltenheit, doch wenn er wie Puderzucker die Hausdächer, Felder und Kirchtürme entlang der Landstraße überzieht, sind die Gassen fast leergefegt. Mit Wappenschild und Spaten bewaffnet, prangt ein kleiner Ritter am Eingangstor des Kirweiler Weinguts Hartmann. Den wachsamen Blick durch eine knallrote Brille gerichtet, beobachtet der knuffige Schutzpatron das Treiben auf dem Vorplatz. Hausherr Christian Hartmann lässt es sich nicht nehmen, seiner Kundschaft die Weinkisten persönlich ans Auto zu bringen und sorgsam zu verladen. „An Wochenenden ist ganz schön was los auf dem Hof, da kommt Kundschaft aus der ganzen Region zu uns.“ Schon eilt er zurück ins Lager und bestückt seinen Karren erneut mit 6er-Kisten, die sich hier bis unter die Decke stapeln.

Die Strickmütze tief über beide Ohren gezogen, lehnt Christoph Bauer am Eingang der Hartmann-Vinothek. Beide sind in der Südpfalz aufgewachsen und ungefähr im selben Alter. Anders als Christian ist Christoph jedoch kein Winzer, sondern im Weinmarketing aktiv. Als Social Media Beauftragter und PR-Profi ist es seine Aufgabe, im Auftrag des Vereins Südliche Weinstraße, die Nachricht vom feinen Tropfen hinaus in die Welt zu tragen. „Kennengelernt habe ich Christian 2016, als er das erste Mal bei unserem Wettbewerb „Die junge Südpfalz – da wächst was nach“ angetreten ist. Damals hat er den neunten Platz gemacht. Freut mich sehr für ihn, dass er diesmal 88 von 100 Punkten in der Gesamtwertung abgeräumt hat. Er hat’s echt verdient.“

Die neue Generation: Christoph Bauer und Christian Hartmann

Zwischenzeitlich haben die Autos mit Kennzeichen aus Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg Kirrweiler wieder verlassen. Christian verschwindet hinter dem Bartresen der frisch renovierten Vinothek und kehrt mit drei Gläsern Scheurebe zurück. „Der 2016er Jahrgang ist praktisch vollständig vergriffen. Das ist der Wein, mit dem mir die höchste Punktzahl gelungen ist. So richtig kann ich es noch immer nicht fassen, dass es schon im zweiten Anlauf geklappt hat.“

In der Endrunde des Wettbewerbs „Die junge Südpfalz – Da wächst was nach“ treten die besten zwanzig Winzer der Region gegeneinander an. Nach festgelegtem Rebsortenschema stellen die Wettstreiter fünf ihrer Weine vor. Eine hochkarätige Jury, bestehend aus acht Fachverkostern, Sommeliers und Journalisten, schnuppert, schlürft und gurgelt sich nun durch 100 anonymisierte Gläser. Mit dabei sind große Namen der Branche: Nathalie Lumpp, die durch TV-Auftritte zu Deutschlands bekanntester Weinkennerin avancierte, der Weinjournalist und Juryvorsitzende Jürgen Mathäß, Prof. Ulrich Fischer von der DLR Neustadt und fünf weitere Fachleute, deren Urteil in Deutschlands Weinszene Gewicht hat. Wer es hier unter die besten Zehn schafft, qualifiziert sich fürs Folgejahr, sofern die Altersbeschränkung die Teilnahme noch gestattet.

„Prinzipiell kann jeder Winzer aus der Südpfalz bei uns antreten, wenn er unter 35 Jahre alt und im Betrieb hauptverantwortlich für den Weinausbau ist. Damit wollen wir dazu animieren, den Generationswechsel auf den Weingütern eher zu vollziehen als früher üblich.“

Christoph Bauer weiß, dass die junge, top ausgebildete Winzer-Generation großen Anteil am Qualitätsschub der letzten Jahre hat. „Selbst mit den Mittelfeldweinen von heute hätte man vor einigen Jahren im Wettbewerb „Die junge Südpfalz – da wächst was nach“ weit vorne gelegen – da hat sich viel getan.“

Der 29-Jährige Jung-Winzer Christian Hartman hatte sich die Erstteilnahme 2016 reiflich überlegt. „Starten ohne echte Chancen kam für mich nicht in Frage. In den letzten Jahren haben wir alles getan, um die Qualität unserer Weine zu steigern. Mein Vater ist 2011 nach langer Krankheit verstorben. Zunächst hat die Qualität gelitten und wir mussten sehr günstig verkaufen, um nicht auf der Produktion sitzen zu bleiben. Während der Ausbildung zum Weinbautechniker konnte ich meine Mutter leider nicht ausreichend unterstützen, aber seit ich ausgelernt habe, investiere ich all meine Energie in den Betrieb. So langsam kommen wir mit unseren Weinen dahin, wo ich hinwill.“

Doch selbst der prickelndste mineralische Top-Riesling kann verkannt im Keller vor sich hin lagern. Damit es soweit nicht kommt, scheuen Christoph Bauer und seine Kollegen keinen Aufwand. Unermüdlich rühren sie die Promo-Trommel für die Erzeugnisse der rund 600 Winzer der Südpfalz. „Von Speyer bis Düsseldorf sind wir auf allen wichtigen Branchenmessen vertreten. Wir bringen Hoteliers, Gastronomen und Winzer zusammen. Wir sorgen dafür, dass Weine aus der Südpfalz bei der Echoverleihung ebenso wie beim Bambi ausgeschenkt werden. Letztes Jahr waren sechs unserer Jungwinzer sogar bei den Filmfestspielen in Cannes dabei und konnten dort auf After-Show-Partys ihre Weine präsentieren.“

So spannend die Welt der Stars und Sternchen auch sein mag, Christian Hartmann ist die Erleichterung deutlich anzumerken, dass die Zukunft des Familienbetriebs nach Jahren der Sorge gesichert ist. „Was für mich zählt, ist die tolle Gemeinschaft die durch den Wettbewerb entstanden ist. Unterm Strich sitzen wir Südpfälzer Winzer alle in einem Boot. Wir unterstützen einander, geben uns gegenseitig Tipps und sind trotz Wettbewerb füreinander da. Mittlerweile haben wir eine gemeinsame WhatsApp-Gruppe und da stehen dann Sachen wie: „Shit – meine Hefe gährt nicht – wer kann helfen? Oder: „Brauche dringend tausend Liter Merlot, hat einer ‘nen Tipp?“

Einerseits wird die Aufmerksamkeit der internationalen Weinszene auf die Südpfalz gerichtet, andererseits entstehen durch gemeinsame Events echte Freundschaften. Besser kann regionales Netzwerken wohl kaum laufen.


www.diejungesuedpfalz.de

www.suedlicheweinstrasse.de