Andreas StanitaJulian Beekmann

Der heile Süden

Wenige Kilometer von der französischen Grenze entfernt, am westlichen Rand der Oberrheinischen Tiefebene, brodelt es gewaltig: unter der Gemeinde Bad Bergzabern sprudelt in 450 Metern Tiefe das Wasser der Petronella-Quelle und speist die Südpfalz-Therme mit ihrem heilsamen Natriumchlorid-Wasser.

 

Der Weg vom Besucherparkplatz hin zum Eingang der Südpfalz Therme führt vorbei am „Haus des Gastes“; dem Veranstaltungshaus der Kuranlage. Der Fußpfad durch die Bungalow-Architektur gleicht einer Zeitreise in die 1980er Jahre. Doch Opel Manta und VW Santana sucht man hier vergebens. Überall parken aktuelle Automobile, von denen auffallend viele überregionale und französische Kennzeichen tragen. Von weit her kommen Besucher nach Bad Bergzabern, um die gesundheitsfördernde Wirkung des Thermalwassers und die vielfältigen Wellness-Angebote des Kurhauses zu genießen.

Sandra Reichenbacher, Geschäftsführerin der Südpfalz Therme.

Energiegeladen und bestens gelaunt saust Sandra Reichenbacher durch den Eingangsbereich der Südpfalz Therme. Die Geschäftsführerin hat mal wieder alle Hände voll zu tun, denn unter anderem zu Jahresbeginn herrscht Hochbetrieb im Bad. „Nach den Feiertagen haben viele das Bedürfnis, sich und ihrem Körper etwas Gutes zu tun und wollen mit frischer Kraft ins neue Jahr starten. Besonders in der letzten Woche der Winterferien ist bei uns mächtig was los. Außerdem steht morgen die erste lange Saunanacht des Jahres an, zu der mehrere Hundert Gäste erwartet werden.“

Viel hat sich verändert seit der Eröffnung des Staatsbads Mitte der 1970er Jahre. Damals kamen die Gäste und blieben gleich mehrere Wochen. „Ein einmonatiger Kuraufenthalt war damals Gang und Gäbe. Ärzte haben das in Serie verschrieben und die Krankenkassen haben die Kosten dafür übernommen. Am Wochenende kam dann die gesamte Familie zu Besuch.“ Die entschleunigten, goldenen Zeiten des Kurbetriebs kennt die diplomierte Betriebswirtin Sandra Reichenbacher nur aus ihrer Kindheit oder aus Erzählungen älterer Gäste, die dem Haus treu geblieben sind. Mittlerweile ist das Geschäft deutlich schnelllebiger geworden.

„Heute hat Freizeit einen ganz anderen Stellenwert in unserer Gesellschaft – unser Leben ist viel hektischer. Unsere Gäste planen ihre punktuellen Erholungspausen ganz gezielt. Sie kommen hierher, um zu entspannen und um ihr körperliches Wohlbefinden zu steigern. Die Entwicklung geht von der klassischen Therapie hin zum Wellness-Lifestyle und gesundheitsorientiertem, bewussten Leben.“ Doch auch wenn Magic-Flower-Yoga heute der klassischen Fango-Anwendung ein wenig den Rang abläuft, bleiben die fünf Säulen der Gesundheit nach Urvater Sebastian Kneipp aktueller denn je. Therapeutische Wasseranwendungen, sportliche Betätigung, gesunde Ernährung, pflanzliche Naturheilverfahren und eine ausgewogene Balance zwischen Arbeit und Freizeit sind Themen, die 2019 den gleichen Stellenwert haben wie 1953 –  dem Jahr, in dem Bad Bergzabern die Anerkennung als Kneipp-Kurort erhielt.

Seit ihrer Erst-Erdbohrung im Jahr 1928 ist viel Wasser die Petronella-Quellen hinaufgepumpt worden. Der Tagesbedarf der Therme liegt heute bei rund 30.000 Litern. Das Heilwasser der beiden Natriumchlorid-Quellen dringt mit einer Temperatur von 21,1, beziehungsweise 23,4 Grad Celsius an die Oberfläche. Doch bis das Thermalwasser in die Becken der Südpfalz Therme fließt, muss es einen weiten Weg durch Rohre, Filteranlagen und Heizungssysteme zurücklegen, die sich in den Katakomben unter der Badeanstalt befinden.

„Heute hat Freizeit einen ganz anderen Stellenwert in unserer Gesellschaft – unser Leben ist viel hektischer.“

Der Alltag von Sandra Reichenbacher spielt sich üblicherweise überirdisch in den Büros und manchmal auch in den Gastbereichen ab. Um die technischen Abläufe und die Wasseraufbereitung kümmert sich ein Team von Fachleuten. Auch wenn sie sich schon immer dafür interessiert hat, war es ein Anruf der regionalen Tageszeitung, der dafür gesorgt hat, dass sie sich intensiver mit der umfangreichen Technik des Hauses beschäftigen musste.

„Ein Redakteur rief bei mir an und wollte wissen, ob wir eine Sonderführung in die Tiefen der Kuranstalt anbieten wollen. Spontan habe ich zugesagt, ohne mir Gedanken darüber zu machen, dass der zuständige technische Leiter im Urlaub sein könnte. So ist die Aufgabe an mir hängen geblieben.“

In einem Intensivkurs durch den Haustechniker eignete sich Sandra Reichenbacher alle wichtigen Informationen zur Funktionsweise der Pumpen, der Wasseraufbereitung und über das hauseigene Blockheizkraftwerk an und führte die Besuchergruppe selbst durch die Katakomben. Aber auch sonst besucht sie gerne die Techniker in ihrem Reich und macht sich persönlich ein Bild von anstehenden technischen Neuerungen, aufgetretenen Störungen oder Energieeinsparpotentialen.

Oben ahnen die Besucher nichts von den Ausmaßen der technischen Anlage unter ihnen. Im wohlig warmen Wasser genießen sie die heilsame Wirkung des Bades. Seit Februar 2018 tauchen Gäste auch in ein neues Außenbecken hinaus. Im Winter steigen dicke Dampfschwaden in den Himmel, denn auch bei frostigen Temperaturen ist das Thermalwasser mindestens 32 Grad warm. Seit Januar 2019 wird nun an der nächsten Attraktion gearbeitet – einer Erweiterung des Saunadachgartens, eine neue Panoramasauna, ein Ruhehaus und ein Saunabistro mit Blick auf den Kurgarten entstehen hier.

Jahr für Jahr erweitern neue Angebote die Wellness-Vielfalt und ergänzen das Spektrum rund um Rosensauna, Riesling-Sauna, Eisbrunnen, Fußreflexzonenparcours, Salzgrotte und vielem mehr. So werden nicht nur die mehr als 170.000 jährlichen Besucher fit für die Zukunft gemacht, sondern auch das Kurbad selbst. Und für den Wellnessfaktor zuhause gibt es in der Kur-Boutique ein ganz besonderes Pfalz-Souvenir: Duschgel und Bodylotion der Hausmarke „Riesling-Kosmetik“. Die Produkte werden aus Petronella-Heilwasser, Pfälzer Riesling und Blütenhonig von Pfälzer Imkern gefertigt. Das gibt’s wirklich nur in Bad Bergzabern – wo sonst?


www.suedpfalz-therme.de